Mittwoch, 25. Januar 2012

Trockenzeit

Queridos compañeros!


An Tag 159 in Mexiko ist es Zeit für einen neuen Blogeintrag, der euch die neuesten Entwicklungen näherbringt. Am vorvergangenen Wochenende hatten wir das Camp zur Halbzeit, also alle IJFD- und weltwärts-Teilnehmer (das sind zusammen noch 23 Jugendliche) sowie alle AFS-Schüler in der Nähe von Valle de Bravo auf einem wahrhaftigen Camp. Kleiner Nachtrag: Wir sind als 27 Jugendliche gestartet, drei Mädchen sind freiwillig zurückgekehrt, eine "wurde" zurückgekehrt, öffentlich gibt es dazu natürlich von meiner Seite keine Auskunft ;)

Das AFS-Camp
Ende Dezember fuhren wir nach Taxco, Guerrero.
Es war an jenem Wochenende eiskalt, das Camp war von der Polizei umzingelt und wir konnten es nicht verlassen, nicht einmal, um eine Zahnbürste zu kaufen :D Ansonsten war es recht entspannend, der beste Part bestand selbstverständlich darin, all meine MitteilnehmerInnen wiederzusehen und experiencias zu sharen. Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber ich bin im Moment kulturell etwas beeinträchtigt sozusagen, neben Englisch und Deutsch werde ich demnächst wahrscheinlich auch Russischunterricht an der Universität geben, alles total lässig. Rein rechnerisch ist erst in einigen Tagen Halbzeit, aber organisatorisch war das für AFS wahrscheinlich ein besserer Termin... Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein riesiges Lob für meine Gastfamilie aussprechen, das kommt manchmal zu kurz: Viele haben ihre Gastfamilie gewechselt und manche möchten es noch und das zum Teil aus sehr nachvollziehbaren Gründen. Wenn ich ihre Probleme sehe, geht es mir pudelwohl! :)

Meine Arbeit und mexikanische Probleme
Taxco am Abend.
Alles läuft seinen Gang, ich habe von Montag bis Samstag durchgehend genügend Arbeit, bin zwar nicht absolut ausgelastet, aber langweile mich jetzt nicht wirklich. Langsam aber sicher, habe ich mich an die Arbeitsmoral hier gewöhnt und gehe nicht mehr ganz so frustriert aus dem Englischunterricht heraus. Es ist schon ungewöhnlich der riesige Unterschied, immerhin bin ich hier auf dem Bachelor-Niveau und die Fremdsprachenkenntnis ist, gelinde gesagt, niederschmetternd :/ Das macht mich ein wenig traurig, weil das aus den mir geschilderten Erfahrungen hauptsächlich am Bildungssystem liegt. Schon blöd, wenn man von der 7. Klasse bis zum Bachelor am Verb "to be" hängen bleibt. Und den Lehrplan macht ja bekanntermaßen wie bei uns in Deutschland der Bundesstaat. Kann ich jetzt persönlich leider auch nicht viel daran ändern. Und die Motivation, die ich hier gern verbreiten würde, hält sich auch in Grenzen. Geschweige denn, dass ich hier wirklich "genutzt" werde. Die Wenigsten kommen auf mich zu, um mich etwas zu fragen. Anstatt vielleicht auch mal bei den Hausaufgaben oder so zu fragen, niemals... Vielleicht ist es hier eine Schande, nach Hilfe zu fragen, aber eigentlich ist mir das in dieser Kultur noch nicht so richtig aufgefallen.

Familie vs. Karriere
Aufgefallen sind mir andere Dinge: Die Familie hat hier den allerhöchsten Stellenwert. Die allermeisten Studentinnen wohnen noch bei ihren Familien, auch wenn sie dafür täglich zweimal eine Stunde Fahrzeit im Bus (!) auf sich nehmen müssen. Und in dem Bus kann man natürlich, im Gegensatz zum Zug, auch nicht optimal lernen und die Zeit nutzen. So stehen sie früh auf, gegen spät zu Bett und müssen intensiv im Haushalt mithelfen, weil sie ja Frauen sind und kommen so nicht dazu, sich genügend auf das Studium zu konzentrieren. Finde ich alles etwas schade.

El futuro
So schmücken manche Mexikaner zu Weihnachten.
Aber alles in allem bin ich ganz zufrieden mit meiner Performance hier, das Geld der deutschen Regierung ist auf jeden Fall nicht falsch investiert und das Ziel, im Nachhinein in Deutschland für interkulturelles Verständnis etc. zu werben; dem werde ich auf jeden Fall nachkommen, darauf könnt ihr euch gefasst machen. Ich werde wahrscheinlich mein Leben lang von den Erfahrungen hier zehren. Zunächst einmal werde ich aufpassen, wie man Guacamole zusammenrührt, das könnt ihr dann auf der Welcome back-Feier genießen. Die haben wir (oh ja) zunächst auf Anfang/Mitte August datiert, weil - wie ersichtlich - unter Umständen eine sehr gute Freundin (hm, wer wohl? :D), die dann ebenfalls ein Weilchen im Ausland gewesen sein wird (Futur II, yeah!), dazukommen wird und wir dann schlicht und einfach mal den ganzen Jahrgang einladen werden ... haha :D

Eine klitzekleine Nachricht möchte ich euch noch mitteilen: AM 21. JULI 2012 LANDE ICH AUF DEM BERLINER FLUGHAFEN! >> Wer mag, kann ein Facebook-Event anlegen und alle einladen ;) Zeitlich müsste es so grob zwischen 17 und 19 Uhr sein sein, wenn die Lufthansa keine Probleme verursacht. Apropos, ich muss mich unbedingt darum kümmern, dass sie uns mehr Gepäck (möglichst einen Koffer mehr :D) erlauben. Immerhin leben wir unter besonderen Umständen elf Monate im Ausland im Rahmen eines staatlich geförderten Programms...

Aktuell am Laufen
Ich freue mich auf euch. Aber vorher werde ich hier erst einmal noch meine anstehenden Projekte durchziehen, dazu gehören Deutsch-Privatunterricht, Russischkurs etc. Für das Ende des Schuljahres planen wir jetzt eine Konferenz in einem großen Saal, die allen Interessierten die deutsche Kultur näherbringen soll (dann will ich ihnen auch mal erklären, dass wir Deutschen wirklich humorvoll sein können, abgesehen von einem Thema: Hitler - ich wurde nämlich schon "humorvoll" Nazi genannt, dann wurde ich komisch angeschaut, als ich nicht darüber gelacht habe, sondern angesäuert war...).

Interkulturelle Informationen zu Mexiko
Schulleiterin, Truthahn, Söhne der SL und meine Gastmutter (vlnr).
Und noch ein kleiner kultureller Beitrag, den ihr sicher spannend finden werdet, weil er einen großen Unterschied zu Deutschland aufzeigt. Essen: Hier gibt es eine Art Brötchen, aber die Mehrheit der MexikanerInnen nimmt aus dem Brötchen den Teiginhalt heraus und ist quasi nur die Kruste! Ist mir heute erst so richtig aufgefallen. Also für mich war das immer der wichtigste Bestandteil des Brötchens und wer hat nicht als Kind auch den Teig herausgenommen und NUR den gegessen, die Kruste beiseite gelassen?! Strom, Wasser etc.: Das Leitungswasser ist hier natürlich nicht trinkbar. Wenn man ankommt, bemerkt man auch den abweichenden, unnatürlichen Geruch, inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Mag auch daran liegen, dass wir hier täglich nur eine Stunde (!) Leitungswasser bekommen. In dieser Zeit ist der Hahn durchgehend aufgedreht und befüllt fortwährend einen großen, offenen Steintank, der vor unserem Haus steht. Von dem aus pumpen wir täglich oder alle zwei Tage (immerhin mit einer elektrischen Pumpe) Wasser in den Tank auf dem Haus, dessen Wasser dann sozusagen zum Duschen und Benutzen dient. Wasseranschluss gibt es dann auch einzig im Badezimmer, weil wir in der Küche Mineralwasser aus garrafones (diese äh, zehn Liter fassenden Wasser"fässer"?) nutzen. Ganz genau. Elektrizität ist hier auch so eine Sache. Preislich kann ich das nicht vergleichen, monatlich kommt das so bei umgerechnet 10€ heraus, finde ich ganz ordentlich. Strom fällt öfter aus, ihr solltet die Straßenzüge mit den überall herumhängenden Leitungen sehen. Als der Zirkus in der Stadt war, fiel der Strom täglich aus. Also von Netzstabilität können die hier auch nur träumen ;) Mir wurde das so erklärt, dass man die Leitungen nicht unter der Erde verlegt, wegen der Erdbeben und so. Aha, bin ich mir jetzt nicht so sicher... Wie dem auch sei, hier wird teilweise der Strom hin- und hergezapft, an jedem Haus gibt es jetzt so einen digitalen Zähler. Sehr merkwürdig... Eigenes Internet haben die Wenigsten, da habe ich Glück mit meiner Gastfamilie. Im Vergleich habe ich hier so DSL 1000, würde ich behaupten. Geht so, aber Skype schafft halt keine gute Qualität so wirklich :/ Das Internet ist gar nicht so billig, wenn ich mich richtig erinnern kann, bezahlt die Familie hier $400 pro Monat, also derzeit etwa 23,40€, was für die Geschwindigkeit natürlich zu viel ist. So sieht das aus. Heizung haben wir übrigens nicht, falls es euch schon aufgefallen ist ;) Der Herd wird mit Gas betrieben, der zugehörige Tank steht auf dem Dach und rund um Silvester hat mir das ziemlich Angst gemacht, weil die kleinen Kinder auf der Straße mit ihren Böllern (häufiger als in Deutschland) gespielt haben und das Dach nur geringfügig über Straßenniveau ist. Da hat meine Gastmutter häufig die Kinder auch verscheuchen müssen. Bis jetzt lebe ich noch :) So viel dazu. Miete beträgt in unserer Wohnung $500, in Toluca bekommt man Wohnungen für $1000 bis $2000, was sehr günstig ist im Vergleich mit Deutschland.

Allerbeste Grüße aus dem milden México!

Damit verbleibe ich
Euer Rico

PS: Vergesst meinen Geburtstag nicht ;)

PPS: Das nächste YouTube-Video kommt bestimmt. Nur nicht so bald, perdón!

Donnerstag, 12. Januar 2012

Bürgermeistermord in Ixtapan!

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hoffe, dass euch der letzte Eintrag etwas erleuchtet hat. Nach dem ich nach dem Blogeintrag über mexikanisches Essen schon einen Text zur Sicherheitssituation angekündigt habe, werde ich das heute zumindest teilweise verwirklichen. Ich werde hier über einen interessanten Zwischenfall aus dem Jahre 2008 berichten, der euch sicher sehr interessieren und eher aus einem Film als aus der Realität vorkommen wird. Viele Informationen, die ich aus Gesprächen entnehmen konnte, habe ich auch im Internet nachprüfen können, sodass es gar nicht so unrealistisch ist, was ich euch hier erzähle.

Die Person...
Salvador Christopher "Chavo" Vergara Cruz, Mitglied der Partei der Institutionellen Revolution (PRI, Partido Revolucionario Institucional), war in der letzten Legislaturperiode beliebter Bürgermeister (presidente) des Touristenortes Ixtapan de la Sal. Er war für seine Bürgernähe bekannt. Eine Bekannte erzählte mir, dass sie ihn einmal vor dem Schwimmbad traf und er ihr erzählte, wie er später einmal Bürgermeister werden und was er verwirklichen möchte. Als er dann Bürgermeister war, redete er angeblich unverändert mir ihr über diese Dinge, sagt sie zumindest. Bekannt war er auch für seinen ausschweifenden Lebensstil: Häufig war er auf Tanzveranstaltungen anzutreffen und genauso häufig auch deutlich angetrunken. Eine andere Bekannte erzählt, dass sie ihn einmal "weggeworfen" (tirado) am Straßenrand traf und ihren Ehemann aufforderte, den Bürgermeister so zu fotografieren. Er war auch guter Bekannter des Gouverneurs des hiesigen Bundesstaates Mexiko (Estado de México), der, nebenbei gesagt, für die Präsidentschaftswahlen 2012 antritt und daher seinen Gouverneursposten vorzeitig im vorletzten Jahr abgegeben hat und dem hohe Chancen zugerechnet werden. Trotz Chavos hoher politischen Position und Morddrohungen von angeblichen Drogenbossen fühlte er sich scheinbar sicher genug, ohne eine Sondereinheit von Bodyguards aus dem Haus zu gehen. Er war beliebt und heutzutage sprechen viele Bürger Ixtapans wie von einem Märtyrer, wenn sie über den letzten Bürgermeister reden. Im Jahr 2009 wollte er für den Nationalkongress als Kandidat antreten, er wurde als aussichtsreicher Kandidat gehandelt, auch aufgrund seiner Kontakte zu Ex-Gouverneur Enrique Peña Nieto. Er starb im jungen Alter von 34 Jahren am Samstagnachmittag Ortszeit, 4. Oktober 2008.

...und sein Tod
Verantwortlich für den Tod des Bürgermeisters soll das Golf-Kartell (Cártel del Golfo) sein. Dieses ist beheimatet im Bundesstaat Tamaulipas, gelegen im Nordosten Mexikos an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. Andererseits sollen unter den 14 Verdächtigen, die für den Mord verantwortlich gemacht wurden, auch Mitglieder des Kartells La Familia aus dem Staat Michoacán gewesen sein. Das Beunruhigende an diesen Informationen ist, dass sich damit Hinweise verdichten, dass die Kartelle aus dem Norden in den Bundesstaat Mexiko eindringen und damit immer näher an die nationalen Behörden, denn der Staat grenzt direkt an den Bundesdistrikt, in Deutschland bekannt als Mexiko-Stadt. Andere Quellen berichten, dass Los Zetas für den Mord verantwortlich sind. Alles sehr schwierig nachzuweisen, einige Quellen berichten, dass die Zetas sich etwa in diesem Zeitraum auf größere kriminelle Aktionen vorbereiteten, außerdem, dass sie ein Arm des Golf-Kartells gewesen seien. Fest steht, dass die Zetas seit Anfang 2010 unabhängig agieren und als Gegner des Golf-Kartells gelten, für den Zeitraum davor lassen sich nur sehr schwer fundierte Aussagen treffen.

Gründe für Vergaras Tod sollen gewesen sein, dass er die bekannte Drogenschmuggel-Route, die von Acapulco über Ixtapan de la Sal bis in die Hauptstadt México D.F. führt, nicht unterstützte. Er soll den freien Handel von Drogen in und damit den Zugang zu Ixtapan de la Sal für den Drogenhandel (narcotráfico) in jeder Hinsicht verhindern haben wollen.

Ermordet wurde Chavo laut Berichterstattung durch 13 Schüsse (deutschsprachige Quellen sprechen von mindestens 15) von halbautomatischen Gewehren in seinem eigenen Auto (Beispiel-Foto) von vermummten Gestalten. Er war mit zwei weiteren Offiziellen unterwegs, sein Assistent wurde bei dem Attentat schwer verletzt. Der Mord soll nahe der Grenze zwischen den Bundesstaaten Mexiko und Guerrero im Stadtbereich von Coatepec Harinas, angrenzend an Pilcaya (Guerrero) geschehen sein. Der Ex-Chauffeur von Chavo, Jorge Millán, soll als Informant für die Attentäter fungiert haben. Laut mir vorliegender mündlicher Information und schriftlicher Berichterstattung soll er für 30.000 mexikanische Pesos (nach damaligem Kurs entsprechend 1.950 Euro) gekauft worden sein. Er hatte erst drei Wochen vor dem Attentat aufgrund "beruflicher Auseinandersetzungen" das Arbeitsverhältnis mit Ixtapans Bürgermeister beendet. Man geht davon aus, dass Millán seine Kontakte im Rathaus ausnutzte, um Information zu den Bewegungen von Chavo zu erhalten, wann dieser wo vorzufinden sei. Besonders dreist von Millán war allerdings sein Auftauchen auf der Beerdigung. Nicht nur das: Er soll zu den wenigen Personen gehört haben, die ein Blick in den Sarg von Vergara werfen durften. In diesem Moment soll er sich die Hände ins Gesicht geworfen haben, als gängiges Zeichen für "was habe ich nur angerichtet". Laut Quellen wurden am frühen Morgen des 5. Oktober in Coatepec und Ixtapan fünf Männer, alle unter 27 Jahre alt, sichergestellt, die erst vor wenigen Monaten von La Familia rekrutiert worden sein sollen. Eine Quelle berichtet, dass Juvenal Cruz Salcedo alias "El Viejo" ("Der Alte"), 39, und Germán Ramírez Salinas alias "El Niño" ("Das Kind"), 33, den Bürgermeister mit AK-47 (umgangssprachlich unter "Kalaschnikow" bekannt) umgebracht haben sollen.

In den spanischsprachigen Quellen findet man unter Umständen noch etwas ausführlichere Informationen, aber das sind die Rahmenbedingungen, die zu diesem Thema bekannt sind. Ich hoffe, dass es sich bei diesem Eintrag mal um einen anderen Inhalt handelt, der aber auch interessant ist.

Deutschsprachige Quellen:
Englischsprachige Quellen:
Spanischsprachige Quellen:

Ich beabsichtige, diesen Text veröffentlicht zu lassen. Da ich nicht weiß, ob es sich hier um sensible und kontroverse Informationen handelt, fürchte ich keine Konsequenzen. In jedem Falle halte ich euch auf dem Laufenden in Bezug zu diesem Thema.

Montag, 7. November 2011

Die mexikanische Küche | La comida mexicana (1/2)


Liebe Leserinnen, liebe Leser,
was passiert in meinem Leben gerade Neues? Schon viel, irgendwie, und trotzdem wird dieser Blogeintrag etwas einfältig ausfallen. Dieses Mal, nach ewigen Wochen ohne Lesestoff für euch, werde ich mich den Speisen widmen. Ich nenne diesen Eintrag provisorisch "1 von 2", auch wenn ich wahrscheinlich fünfmal über die mexikanische Küche schreiben könnte. Das ist ein Anfang. Nachfragen sind erwünscht, es gibt auch viele Fotos, also weder etwas für langsame Internetverbindung noch für knurrende Magen!

Die Mexikaner lieben alles, was mit Salsa zu tun hat. Mit "alles" meine ich auch alles. Manche essen den Apfel mit Salsa. Hier im Bild die Coca-Cola-Flasche mit Salsa und tollem Verschluss.


In Mexiko sind Süßigkeiten aller Art sehr beliebt. Gerade bei größeren Events werden schätzungsweise Tonnen von Süßigkeiten verspeist. Dazu gehört auch rosa und blau gefärbte Zuckerwatte. Hier ein Bild vom August vom Ballonwettbewerb.
Pollo con ensalada nennt sich dieser leckere Hauptgang des Mittagessens, also Hähnchen mit Salat. Setzt sich zusammen aus einem Hühnchenschenkel und einem Salat aus Blattsalat, jitomate (das hiesige Wort für unsere rote Tomate), cebolla (Zwiebel) und Karotte. Dazu Caesar-Dressing.
Pozole, eines der großartigsten Gerichte der mexikanischen Küche. Gibt es in rot oder grün (hängt vom Chili ab) und beinhalten hauptsächlich Maiskörner und Fleisch (meist Hühnchen). Serviert wird das Ganze mit Salat, Zitronensaft, Oregano, Zwiebel, Sahne und Avocado. Dazu werden tostadas (frittierte Tortillas) gegessen. Siehe auch: Wikipedia. Das Foto stammt vom Nationalfeiertag im Englischunterricht.
Und das sind sie: Die tostadas. Als Grundlage dienen frijoles (Bohnen), darauf wird Hühnchen gegeben, es folgen Blattsalat und Sahne. Abgeschlossen wird mit Streukäse. Tostadas repräsentieren eine Form der tortillas. Ursprung des Fotos siehe pozole.
Götterspeise, hierzulande gelatina genannt. Darauf sind die Mexikaner auch relativ scharf; ich finde: Die Afra-Mensa hat es besser gemacht! Lustig ist allerdings, dass es die zum Beispiel auch in den Nationalfarben gibt, wobei weiß dann auf der Grundlage von leche (Milch) hergestellt wurde. (Auf dem Bild sind eben diese Farben zu sehen; Ursprung des Fotos siehe pozole)
Pozole rojo, das ganze also rot statt verde (grün). Zutaten verändern sich nicht. Hier nur mit Oregano serviert. Das Bild stammt vom Klassentreffen meiner Gasttante.
Tres leches, also "drei Milche" (nein, es gibt keinen Plural von Milch) seht ihr auf der linken Seite des Tellers. Siehe auch: Wikipedia. Auf der rechten Seite seht ihr überbackene platanos (Bananen) mit einer süßen Milch. Ursprung des Fotos siehe pozole rojo.
Von vorn nach hinten: pollo (Hühnchen), tostadas und tacos dorados (folgt weiter unten).
Auf dem mercado (Markt)! Angegeben sind Kilopreise. Ich erinnere an den Kurs: 1€ = 18,50$. Mehr gibt es zu dem Bild nicht wirklich zu sagen, außer, dass ich jeden Sonntag (sofern möglich) mit meiner Gastschwester auf den Markt gehe und ihr behilflich bin.
Bananen! Ohne Mist, hier sind sie wirklich süßer, also eigentlich unglaublich süß. Die große orangefarbene Frucht im Hintergrund ist eine Papaya. Die gibt es in mehreren Sorten und schmecken dabei unterschiedlich gut. Manzanas (Äpfel) auf der rechten Seite sind teuer, wenn sie aus den Vereinigten Staaten kommen, ansonsten günstig und schmecken sehr gut!
Champiñónes (Champignons) sind schon allein aufgrund ihrer Schreibweise eine Erwähnung wert.Werden hier aber anders zubereitet.
Consomé de pollo :D Nee, viel einfacher und passender caldo. Mais in dieser (ursprünglichen) Form nennt sich hier elote. Dazu calabazas (Zucchini). Verfeinert wird das Ganze ebenfalls mit Zitronensaft und zum Beispiel Oregano. Foto entstand beim Mittagessen.
Pancita de res. Ist grundsätzlich auch ein caldo (Suppe), Hauptbestandteil ist Bauch vom Rind (das ist wahrscheinlich inkorrekt ausgedrückt, aber so lautet die korrekte Übersetzung).
Hm, ich weiß gerade leider nicht, ob diese Speise einen speziellen Namen hat. Eher nicht. Vorn links ein Apfelsalat, daneben Nudelsalat und dahinter Hühnchen mit mole (eine typisch mexikanische Soße, die aus verschiedenen Zutaten bestehen kann; Grundlage sind häufig Chile und Schokolade). Foto entstand auf Estefanies Taufe.
Kuchen oder besser gesagt: Torten. Die gibt es auch häufig. Sie sind sehr süß und bestehen zu 80% aus Sahne. Herkunft des Fotos siehe oben.
Die Mexikaner fahren ab auf Süßigkeiten. Das steht fest. Zum bautizo (Taufe) freuen sich alle darauf, dass aus einem geflochtenem Korb diverse Süßigkeiten und sogar echte Münzen (von geringem Wert) in die Menge von Kindern geworfen werden.
Ein Hauptgericht zum Mittagessen. Bestehend aus nopales (gewürfelte Kaktusfeigenblätter) und longaniza (eine Art Hackfleisch). Danach kommen natürlich die unverzichtbaren frijoles (Bohnen). Als Getränk gibt es agua de jamaica (Wasser mit Geschmack von Malvenblüten). In der Schüssel oberhalb des Tellers befinden sich die tortillas. In Tüchern eingewickelt kühlen sie nicht aus.
Hm, huevo revuelto (Rührei) auf tortillas mit einer pikanten, grünen salsa (das Wort "salsa" steht übrigens schlicht und einfach für Soße).
Das sind sie also, die tacos dorados. Das sind gerollte tortillas, die in der Regel frijoles oder carne (Fleisch) enthalten. Dann werden sie frittiert, sind also relativ hart zum Beißen. Dazu serviert man Blattsalat, Sahne und Käse. A gusto kann man dann noch salsa hinzugeben.
Das ist nicht schwer zu erraten. Eine einfache Nudel-sopa (Suppe). Vorspeise gewissermaßen.
Torten in der Bodega Aurrera, einem Supermarkt, den die etwas größeren Kleinstädte (Ixtapan de la Sal, Villa Guerrero) haben. Noch größere (Metepec) kommen in den Vorzug von Walmart oder Sears.
Noch eine. Kann man den Preis erkennen? Google hilft beim Umrechnen.
Es weiß nicht jemand zufällig, wie sich diese Teile rechts oben nennen? Bestehen nur aus Kartoffeln, sind gewissermaßen eine Variante von Kartoffelpuffern.  Dazu Salat aus dem üblichen.
Speisen, die man zum Tag der Toten reicht. Bis auf ganz oben (mole, glaube ich) handelt es sich um reine Süßspeisen. Den canela (Zimt) erkennt ihr selber. Foto geschossen auf dem Campus der Universidad Autónoma del Estado de México in Tenancingo.
Links calabazas (Kürbisspeisen, vergleichbar mit Zucchini). Vorn, leider vergessen. Weiterhin UAEM.
Oh ja. Calaveras (Schädel) aus Schokolade oder anderen Süßspeisen. Sehr typisch und einzigartig für dieses Land.
Natürlich alles im Zusammenhang mit dem Tag der Toten. Allerdings gibt es hier auch erhebliche Qualitätsunterschiede. Am sichersten geht man mit einer calavera aus Schokolade mit weißer Glasur. Es gibt sie in allen Größen, von 2cm bis zu 40cm ungefähr.
Und so sieht das Essen in einem echten Hotel in Mexiko aus. Ich verschweige den exakten Namen, denn das Essen ist nicht so gut für den Preis, den sie verlangen (relativ auf Mexiko bezogen). Das ist consomé de pollo (Hühnerbrühe). War aber gut, uns hat es nichts gekostet.




Ich hoffe, das gibt euch einen ersten Einblick in die UNESCO-geschützte und einzigartige Küche dieses Landes. Dass man hier scharf ist, sollte euch aufgefallen sein. Tortillas und Bohnen sind eine weitere Grundlage des täglichen Lebens. Außerdem gehört Brot (aber nicht im deutschen Sinne) zur Basisernährung, Weißbrot und Süßgebäck sind gemeint. Inzwischen habe ich keine Lust mehr, Fotos von meinem täglichen Essen zu schießen, das kommt einem ein bisschen lächerlich vor nach fast drei Monaten, wenn man schon von manchen Mexikanern gefragt wird "Wow?! So viel Chile isst du?" oder "Hä, also die Sorte Chile esse nicht mal ich!". Beim nächsten Mal schaue ich mich vielleicht nach lizenzfreien Bildern im Netz um, damit ich euch den Rest der Speisen näher bringen kann.

Als nächstes könnt ihr euch erneut auf ein pikantes Thema freuen: Ich werde euch ein bisschen über die Sicherheitssituation in Mexiko aufklären. Es wird eine Linksammlung mit deutsch-, englisch- und spanischsprachigen Seiten geben, auf denen ihr euch belesen könnt, sowie eine Kurzzusammenfassung, was ich bis heute hier erlebt habe und was mir aufgefallen ist in diesem Zusammenhang. Seid gespannt!

Saludos de México, besos a mis amigos
Euer Rico

Dienstag, 11. Oktober 2011

madeinrico: Episode #1 -- Start of Something New

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

anstatt eines Textes gibt es jetzt ein Video meines brandneuen Channels madeinrico. Viel Spaß beim Anschauen, kommentieren geht sowohl hier als auch in Facebook, Google+ oder YouTube. Ganz nach Belieben!

Viel Spaß beim Anschauen.


Sonntag, 18. September 2011

¡Un mes mexicano!

¡Hola amigos!

Nun lebe ich mich hier mehr oder weniger ein, immerhin ist schon ein Monat vergangen, als werde ich auch nur noch in größeren Abständen schreiben, öfter als wöchentlich könnt ihr von mir nicht erwarten. Allerdings passiert schon noch einiges, sodass ich das jeweils Revue passieren lassen werde:

Mit der Frau Schulleiterin habe ich guten Kontakt, denn sie ist eine Freundin meiner Gastmutter. Ich hatte jetzt ein Gespräch gemeinsam mit ihr und ich weiß, was ich jetzt alles in der Schule zu tun habe:

  1. Bibliothek: Jeden Dienstag werde ich vier Stunden Zeit haben, in der Bibliothek zu helfen und Events vorzubereiten (dazu gleich mehr). Hier geht es darum, das Lesen etwas beliebter zu machen. Smartphones und "Face"(book) sind hier dann doch deutlich gängiger.
  2. Englisch: Jeden Mittwoch von dreizehn bis fünfzehn Uhr ist SEPA Inglés (Link), das ist ein kostenpflichtiges Zusatzprogramm, das derzeit sechs (?) Schülerinnen besuchen. Ich helfe während des Unterrichts bei Aussprache und Vokabular. Englisch ist hier ein unbeliebtes Schulfach und generell haben die Mexikaner keine Mentalität des Sprachenlernens: Das Land ist groß und die Möglichkeiten nahezu unbeschränkt, daher besteht auch nicht die Notwendigkeit. Jeden Donnerstag gibt es dann zusätzlich von 14 bis 16 Uhr Ausflüge im Konversationsenglisch-Unterricht. Hier waren wir in der letzten Woche zum Beispiel in der Innenstadt und hatten somit Gesprächsanlass. Die Mädchen waren noch ein wenig "flojas" (faul), aber in Zukunft werden wir nur noch Englisch sprechen, immerhin wird SEPA Inglés mit einer Prüfung aller Bereiche (mündlich, schriftlich etc.) abgeschlossen.
  3. Sport: Ich werde irgendwann bei Volleyball mitspielen. Das weiß ich allerdings auch erst, wenn ich meinen Stundenplan erhalte. Wahrscheinlich werde ich noch einmal bei der Schulleiterin nachfragen müssen.
  4. Tanz: Jeden Freitag von 15 bis 18 Uhr gibt es Folkloretanz. Ein Tanzlehrer, acht Mädchen und ein Junge. Es besteht Hoffnung, dass noch weitere Jungen dazukommen.
  5. Ich als Schüler: Die Schulleiterin hat mir des Weiteren angeboten, selber Schüler zu sein und den Unterricht zu besuchen. Hier muss ich mich noch kundig machen, welche Fächer es gibt und werde sie dann besuchen.
Das müsste schon alles sein, was ich in der Schule zu tun habe. Klingt nach nicht gerade viel, aber ich bin gerade dabei, Kafkas "La metamorfosis" für eine Präsentation in den Kursen vorzubereiten - auf Spanisch, versteht sich.

Ein Teil der Geburtstagsgesellschaft
Was bisher geschah: Am Samstag, 3. September, waren wir abends ja in einer Bar und das Geburtstagskind hat zur Feier des Tages eine kleine Flasche Tequila geschenkt bekommen und jeder hat etwas abbekommen - gemischt, natürlich. Danach haben wir uns entschieden, noch tanzen zu gehen und ich habe das erste mal in meinem Leben einen Club außerhalb Europas beziehungsweise dessen Einflussbereich (dazu zählen geschlossene Hotelanlagen beispielsweise) erlebt. War auf jeden Fall einen Besuch wert, der Tipp, den wir auf dem Vorbereitungsseminar erhalten haben, zu zweit auf der Tanzfläche zu tanzen, erwies sich als essentiell und je später die Uhrzeit desto sexueller war das dann auch, sodass dann auch etwa Fünfzehnjährige gegen vier Uhr offensiv Analsex simulieren (nein, ich nehme kein Blatt vor den Mund). Getränke und Gesellschaft waren gut, interessant war die Musikauswahl: Abwechselnd 20min mexikanische (spanischsprachige) Musik, zu der man bekannte, bestimmte Tänze tanzen kann (Tanzfläche voll) und anschließend 30min internationaler englischsprachiger Pop und Electro (Tanzfläche leert sich zusehends). Gastmama Paty hat alles erlaubt und auch selber ab und zu getanzt. Fünf Uhr waren wir raus. Sonntag stand 12 Uhr skypen mit der Familie an, ich war etwas müde.

Außerdem war ich am Sonntag noch auf dem wöchentlichen Markt: Riesige Auswahl, Gemüse und Früchte zum Spottpreis (Eigene Schätzung: Sieben Sorten, fünf Kilogramm, vier Euro). Beim nächsten Mal kaufe ich mir einen Ring, oh ja! Schmuck ist hier ja recht billig und er soll ja auch nur schlicht und in Silber sein. Außerdem haben wir Tintenpatronen gesucht. Genau, ich habe meinen Füllhalter mitgenommen und will ihn natürlich benutzen. Wer denkt, dass Schüler/Studenten hier irgendwann im Leben Füller benutzen - weit gefehlt, niemals! Wir waren in drei Geschäften, bevor in einer "papeleria" fündig wurden: Auf Lager waren die aber auch nicht, sondern in einem Kästchen ganz tief hinten im Abstellraum, sodass mir die Dame die schwarzen (!) Patronen geschenkt und sechs blaue für sage und schreibe 12$ (0,68€) verkauft hat. Das war preislich bisher der größte Reinfall - ihr werdet die Köpfe schütteln, denn sonst finde ich hier nichts, was teurer ist als in Deutschland. Ja doch, echte (!) Markenklamotten, aber die will ich hier nicht gerade kaufen.

Am Donnerstag war ich mit Ade bei einem Herrn, der "esquites" (ähm, warme, weiche Maiskörner sollte es treffen :D) macht. Den haben wir gefragt, ob er uns einen riesigen Topf für Samstag (folgt sogleich) machen kann. Er hat ja gesagt. Toll, oder? Und sie hat mir das Haus gezeigt, in dem sie früher mit Paty gelebt hat. Noch einmal zur Klarstellung: Die beiden sind Freundinnen seit Ewigkeiten und wohnen deswegen zusammen. Ade hat einen Freund und Paty vier Kinder.

Franzi, Viktor und ich singen die deutsche Nationalhymne
Am Samstag war nämlich die "fiesta mexicana" von AFS Toluca. Von den Deutschen waren Saskia, Franzi, Viktor, Dennis, Joni und Marlies dabei. Da aber auch die SchülerInnen von AFS dabei waren, gab es noch andere Nationen: Belgien, Norwegen, Thailand, Japan, Großbritannien, Italien. Es gab eine "Talentshow", bei der Franzi, Viktor und ich die Nationalhymne (deren erste Strophe) sangen (kreativ, das haben erst zwei andere Gruppen/Teilnehmer vor uns gemacht). Programm gab es auch: Die Escuela Normal No. 1 de Toluca hatte aufwändige Tanzeinlagen mitgebracht. Anschließend wurde gespeist, alles, was Mais und Hühnchen hergeben (oh ja, ein Eintrag ausschließlich zu Essen wird noch folgen - gestern habe ich begonnen, die Speisen zu fotografieren).

Der Gastbruder Mauricio von Joni (D: Rechberghausen, MX: Metepec) hatte am Dienstag Geburtstag und lud auch alle AFS-Teilnehmer zu seiner Party am Samstag zu sich nach Hause ein. Die wohnen in so einer Art Party-Location, sodass da auch die etwa 80 Gäste Platz fanden. Franzi, Saskia und ich hatten auch bald eine Gruppe netter Mexikaner gefunden, mit denen wir uns gut unterhalten haben, den Rest der Nacht. Ich durfte in dem weitläufigen Haus auch übernachten und musste mit Benneth (Schüler) und Dennis schon früh raus.

Auf dem Marktplatz
Dennis und ich fuhren 9:40 Uhr von Metepec wieder nach Ixtapan, denn dort wartete auf mich der Tag der Apachen (Bezeichnung: Préstamo), irgendwie so etwas wie ein städtisches Unabhängigkeitsfest von den Ureinwohnern. Irgendwann werde ich noch einmal wissen, was es genau war. Jedenfalls tanzten Ade und Paty drei Stunden lang auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus und durch die Straßen der Stadt, ich schaute etwas verkatert zu und machte Fotos, in Begleitung von Ezequiel (Ades Freund) und Karina, einer Schülerin. Außerdem waren auch die Nachbarin und unsere Haushaltshilfe Luisa sowie deren Tochter Vale(ria) dabei.

Verlesung der mexikanischen Geschichte
Am Montag war Homenaje a la bandera (Huldigung der Flagge). Neun Uhr versammelte sich die komplette "licenciatura" (der Teil der Schule, für den ich arbeite) auf dem "patio cívico" zur Zeremonie. National- und Bundesstaatshymne sowie ein weiteres Lied wurden gesungen, mit der Flagge einmal quer über den Schulhof marschiert (!) und die wichtigsten "fechas" (Daten) der mexikanischen Geschichte verlesen.

Bücherausstellung
Dienstag hatte ich meine erste Aktivität der Bibliothek. Meine Gastmutter und ich haben eine "Bücherausstellung des 200. Jubiläums der Revolution" ("Exposición de libros del bicentenario") organisiert und es kamen tatsächlich einige Schülerinnen und Schüler, um sich die teuer im letzten Jahr von der Regierung angeschafften, teilweise noch nicht einmal ausgepackten Bücher anzuschauen und zu überfliegen. Von neun bis vierzehn Uhr war ich so beschäftigt. Nette Bilder waren dabei, aus allen Genres. Was mir auffiel, war, dass alle Bücher auf der Rückseite Logo und Slogan der derzeitigen Regierung des Estado de México trugen und stets der Gouverneur Herausgeber war. Hier stehen auch auf allen Straßen Schilder, dass die Regierung das verwirklicht hat und überhaupt wird das Corporate Design schön durchgezogen, auch alle Papiere der Schule beinhalten all den Schnickschnack.

Ich bin Mexikaner!
Mittwoch - ein kompletter Tag in der Hauptstadt mit Dennis aus Tonatico und meiner Gastmutter. In Deutschland Mexiko-Stadt, hier auch einfach nur México oder noch kürzer De-Effe (= D.F., Distrito Federal) genannt. Acht Uhr aufgebrochen, gegen elf Uhr im Instituto Nacional de Migración angekommen, dort mussten wir leider zwei Stunden anstehen, um unser Papier abzugeben, um danach noch einmal eine Stunde zu warten. Vierzehn Uhr konnte ich dann diese wunderschöne Karte in der Hand halten.


Cuenta de Burger King
Anschließend von der Delegacion Miguel Hidalgo in die Delegacion Tlalpan (Link). Sieht gar nicht so lang aus, hat aber zwei Stunden gedauert. Dort haben wir Richard (Deutschland, Sachsen - besuchte Mexiko für zwei Monate) abgeholt, um dann ins Zentrum zu fahren, wo wir seine Freundin getroffen und erst mal fett bei Burger King gegessen haben. Das tat gut. Ich bin sehr zufrieden mit der mexikanischen Küche (freut euch über mindestens zwei Blogeinträge über Essen, sagen wir im Oktober!), aber das musste sein. Hatte ich euch schon gesagt, dass ich in Toluca Schwarzbrot aus Roggen gekauft habe? Na ja, essen kann ich das aber nur mit Mayonnaise oder so.
Eigentlich ja DIE "Torre Latinoamericana"
Butter, Margarine, Wurst oder Käse in Scheiben, Marmelade, Nutella - all das gibt's hier im Haushalt einfach nicht. Zurück zum Thema: Anschließend haben wir den Torre Latinoamericana bestiegen, den vormals höchsten Turm Lateinamerikas (aha, daher rührt NICHT der Name). Super Ausblick, Flugzeuge landen im Minutentakt, die Stadt breitet sich auf einer riesigen Fläche aus. Das Museum war auch ganz nett, 1985 gab es ein sehr starkes Erdbeben, der Turm allerdings hat diese Strapazen überstanden, er wurde immerhin 1956 schon erbaut und galt damals als erstes Hochhaus Lateinamerikas.
Daniela, Richard, ich, Dennis auf der Torre
Noch heute steht das höchste lateinamerikanische Hochhaus in México, die "Torre Mayor". Dann war es auch schon spät am Abend, so gegen 20 Uhr und wir fuhren los, dieses Mal über Metepec, weil Dennis von Viktors Gastbruder noch seinen Rucksack inklusive einiger wichtiger Sachen brauchte, die er letztes Wochenende dort lassen musste, weil sich sein Schlafplatz kurzfristig geändert hatte.

Mexican Party mit SEPA Inglés
Am Donnerstag begannen die Festivitäten des Nationalfeiertages am frühen Nachmittag mit der "Mexican Party" in der Schule mit dem Kurs SEPA Inglés, auch Chris aus Ohio, der das ganze Jahr über Englisch geben wird, war eingeladen. Das war ziemlich lustig, auch wenn wir wenig Englisch gesprochen haben. Na ja, wie immer wahrscheinlich. Abends gingen wir dann achtzehn Uhr in die Kirche und ich muss zugeben, dass das meine erste katholische Messe, und das auch noch in Mexiko!, war. Wer auch immer das liest, bitte nicht als Beleidigung auffassen, aber das läuft schon alles wie in einer Sekte ab, muss ich sagen.
So sahen Paty, Ramona und Ade aus
Interessant war es allemal und danach tanzten wir zweieinhalb Stunden in den Straßen der Stadt in der Dunkelheit und Tausende Menschen sahen uns zu. Ich war ein Apache, ein Ureinwohner, des Landes, die sich immer in Rot kleiden. Anschließend bin ich noch mit der Schwester meiner Gastmutter, Ramona, die in Houston lebt und arbeitet, und ihrem Bekannten Alex, der in der Nähe von Los Angeles wohnt, in die "Menphis Discoteque" gegangen - zum zweiten Mal. Dieses Mal fiel der Strom für zwanzig Minuten aus und war für eine Stunde instabil. Daher war es extrem warm und von den Lichtverhältnissen etwas grell und zu hell, aber trotzdem lustig. Vier Uhr ging's nach Hause, meine Gastmutter hatte sich Sorgen gemacht und war aus diesem Grund noch auf.

So sah ich also aus.
Der eigentliche Nationalfeiertag ist ja am Freitag. Und es ging weiter mit einem deutlich gemächlicheren Umzug am Vormittag, also nach fünf Stunden Schlaf hieß es schon aufstehen. Noch mehr Tanzen, meine Beine taten schon weh. Fremde Mädchen ließen sich mit mir fotografieren, mehrere Menschen haben für mich applaudiert, alles lustig. Danach war ich echt fertig und wir waren nur noch schnell essen und dann habe ich eine Stunde geschlafen.

Samstag begann für mich sechs Uhr, weil wir ins "Balneario Municipal" (Städtisches Schwimmbad) gegangen sind, dort eine dreiviertel Stunde im Thermalwasser verbracht und uns einer ebenso lange Massage gegönnt haben. Spitzenmäßig entspannt, wenn auch mit großen Schmerzen in den Waden ging es nach Hause und ich habe noch mal zwei Stunden "siesta" gehalten.

So, dass soll es also erst einmal gewesen sein. Gestern Abend waren wir noch auf dem Klassentreffen von Ramona, das war auch lustig. Ich halte euch auf dem Laufenden. Fragen, Anregungen, Kritik und Lob - alles bitte als Kommentar. Ich freue mich darauf.

Schöne Grüße aus Ixtapan de la Sal,
¡Viva México, cabrones!

Euer Rico